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Hier haben wir einige interessante Gerichtsurteil für aber auch gegen nörgelnde Urlauber zusammengestellt:

Zustellbett genügt nicht:

Wer im Urlaubsort statt des gebuchten Zimmers mit separatem Wohnraum nur ein Doppelzimmer mit Zustellbett erhält, dem steht eine Preisminderung von 20 Prozent zu, urteilte das Amtsgericht Düsseldorf (Az.: 20 C 2617/97).

Ferienclubs brauchen keinen Arzt zu stellen:

Urlauber können in einem Ferienclub keinen ärztlichen Notdienst erwarten. Unabhängig von deren Qualität müsse die ärztliche Versorgung des Reiselandes genügen, urteilte das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 24 S 195/96). Die Richter wiesen damit die Klage einer Urlauberin zurück, die ihren Reiseveranstalter wegen des fehlenden Notdienstes in ihrer Unterkunft auf Schadensersatz verklagt hatte. (faf)

Kein Recht auf Liegestuhl:

Urlauber haben keinen Rechtsanspruch auf einen Liegestuhl am Hotelschwimmbecken; der Reiseveranstalter sei nicht verpflichtet, jedem Urlauber jederzeit einen Sonnenschirm und eine Liege zur Verfügung zu stellen, urteilte das Landgericht Kleve, Az.: 6 S 31/96. (faf)

Kindergarten gehört dazu:

Wenn der Kindergarten eines Ferienclubs entgegen dem Katalogangebot geschlossen ist und die Mutter, die für sich verschiedene Freizeitaktivitäten gebucht hatte, sich konstant selbst um das Kind kümmern muss, kann der Reisepreis um 25 Prozent gemindert werden, entschied das Landgericht Franfkurt a. Main, Az.: 2/24 S 11/96. (faf)

Für den "Meerblick" reicht nicht allein die "Meerseite":

Bucht eine Urlauberin ein Hotelzimmer mit Meerblick, ist jedoch der Blick auf das Meer (hier: auf Mauritius) durch einen Palmenhain verdeckt, so hat ihr der Reiseveranstalter 75 Prozent des für den Meerblick aufgewandten Aufpreises zurückzuzahlen (Amtsgericht München, 52 C 21796/97). (faf)

Magenvergiftung ist Reisemangel:

Muss ein Pauschalurlauber wegen eines verdorbenen Essens mit einer Magenvergiftung ins Krankenhaus, ist der Veranstalter verpflichtet, dem Kunden den kompletten Reisepreis zu erstatten und zusätzlich 50 Mark pro Tag für vergeudete Urlaubszeit zu zahlen; Landgericht Frankfurt (Az 2/24 S 103/94). (faf)

"Massenabfütterung" rechtens:

Gruppenreisende haben wenig Möglichkeit, sich gegen eine „Massenabfütterung“ zu wehren. „Einheitliches Essen für alle Reiseteilnehmer ist kein Mangel der Reise“, urteilt das Oberlandesgericht Düsseldorf (Aktenzeichen: 18 U 40/93). Es sei „allgemein bekannt, dass bei Gruppenreisen alle Mitglieder der Gruppe die gleiche Verpflegung erhalten“. Anders - so die Richter - ist die Rechtslage allerdings, wenn der Reiseveranstalter in seinem Katalog Essen a la Carte verspricht. (faf)

Hotelwechsel ist oft ein Reisemangel:

Muss ein Urlauber wegen Überbuchung umquartiert werden, hat er auch dann Anspruch auf Preisminderung, wenn das Ersatzhotel von der Lage und Ausstattung her mit dem ursprünglich gebuchten Hotel gleichwertig ist, weil jedes Hotel seine eigene Note hat, so das Amtsgericht Stuttgart (Az: 9C 12733/94). (faf)

Schlechtes Benehmen kein Reisemangel:

Urlauber in einem Ein-Sterne-Hotel müssen sich im Hotelrestaurant von Mitreisenden allerhand gefallen lassen. Es stelle keinen Reisemangel dar, urteilte das Amtsgericht Hamburg (Aktenzeichen: 9 C 23343/94), wenn Gäste in Badekleidung zum Essen erscheinen, Körpergeruch ausströmen und rülpsen. (faf)

Doppelzimmer muss 12 qm messen:

Wie groß muss ein - von zwei Personen belegtes - Doppelzimmer sein? Mindestens zwölf Quadratmeter, urteilte das Amtsgericht Bad Homburg (Aktenzeichen 2 C 4549/93). Misst das Bett zudem nur 1,20 Meter in der Breite, stellt dies einen weiteren Reisemangel dar. Eine Schlafstatt mit solchem Maß, so das Gericht, sei für zwei Reisende einfach zu klein. (faf)

Hotel mit Mängeln:

Lang war die Liste der Mängel, die ein unzufriedener Urlauber dem Oberlandesgericht Düsseldorf präsentierte: Unter anderem monierte der Kläger, dass für 500 Hotelgäste nur 23 Sonnenschirme zur Verfügung standen, zum Frühstück Zwieback oder alter Toast serviert wurde und wegen einer Mückenplage Flugzeuge aus niedriger Höhe Insektengift über der Anlage versprühten. Zudem beeinträchtigte Baulärm sowie ein allzu mageres Abend-Buffet die 8000 Mark teure Reise. Dennoch musste der beklagte Veranstalter seinem Kunden, der den vollen Reisepreis zurückhaben wollte, lediglich 40 Prozent der Summe erstatten. „Der Erholungswert einer Reise hängt nicht allein von der Hotelunterbringung ab“, begründeten die Richter ihr jetzt veröffentlichtes Urteil (Aktenzeichen: 18 U 84/95). (faf)

Reisemangel Renovierung:

Wenn im Hotel vom frühen Morgen bis in die Abendstunden Handwerker mit Renovierungsarbeiten beschäftigt sind, haben Urlauber Anspruch auf Minderung des Reisepreises. Das Amtsgericht Bad Homburg (Aktenzeichen : 2C2428/96-18) verurteilte einen Reiseveranstalter zur Rückzahlung von einem Fünftel des Reisepreises. Zwei Urlauber hatten das Unternehmen verklagt, weil während des gesamten Urlaubs im Restaurant, in der Eingangshalle, der Bar und sämtlichen Strandbungalows umfangreiche Renovierungsarbeiten stattfanden. (faf)

Mallorca: Massenabfertigung rechtens:

In der sommerlichen Hauptreisezeit muss ein Urlauber auf Mallorca im Speisesaal eines Mittelklassehotels eine “Massenabfertigung” bei den Mahlzeiten hinnehmen. Das Abendessen diene in einem solchen Haus in erster Linie der Nahrungsaufnahme, so das Landgericht Kleve in einem Urteil (Aktenzeichen: 6 S 34/96). Verhandelt wurde die Klage eines Pauschalurlaubers, der von seinem Reiseveranstalter Schadenersatz für die fehlende “ruhige und erholsame Atmosphäre” beim Abendessen gefordert hatte - zu unrecht, wie die Richter entschieden. Im Zuge des  Massentourismus sei nicht einmal zu beanstanden, wenn Mahlzeiten in mehreren Schichten serviert und die Tische dazwischen nicht abgewischt würden oder neue Tischtücher erhielten. (faf)

"All inclusive" auch ohne Armband:

Ein hellgrünes Plastikarmband war für die Gäste einer “all inclusive”-Ferienanlage in der Dominikanischen Republik Stein des Anstoßes: Die Urlauber weigerten sich, ein solches Armband zu tragen - es diente in den Restaurants und Bars als Ausweis für Hotelgäste und konnte, ohne es zu zerstören, nicht abgenommen werden. Als sie daraufhin dort nicht bedient wurden, zogen sie in eine andere Unterkunft und forderten vom Reiseveranstalter Schadenersatz. Zu recht, wie das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 2/24 S 5/96) entschied. Die Verpflichtung, während des gesamten Urlaubs ein Plastikarmband zu tragen, beeinträchtigt nach Ansicht der Richter das Persönlichkeitsrecht der Reisenden. “Gegen den eigenen Willen äußerlich gekennzeichnet zu werden”, heißt es in der Urteilsbegründung weiter, “kann nicht mit dem Interesse am reibungslosen Ablauf des Hotelbetriebes gerechtfertigt werden.” (faf)

Hotelstandarts in Katalogen:

Auch eine geringe Abweichung des Hotelstandards von der Katalogbeschreibung berechtigt zur Minderung des Reisepreises, wenn nachgewiesen werden kann, dass die fehlende Einrichtung - hier Sport und Spielmöglichkeiten - tatsächlich genutzt worden wäre, so das AG Düsseldorf, Az: 33C21664/94. (faf)

All inclusive: Lärm und Insekten:

Unter dem Aktenzeichen 3071/96 des Kölner Landgerichts wurde amtlich, dass Pauschalreisende kleinere Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen müssen. In dem veröffentlichten Urteil einer Zivilkammer sprachen die Richter einer Familie aus Berlin eine Entschädigung unter anderem für starken Lärm am Strand und im Hotel, sowie Beeinträchtigungen durch Insektenstiche ab. Da der Reiseveranstalter im Prospekt auf vielfältige Unterhaltungsmöglichkeiten wie Disco, Folklore in dem all-inclusive-Angebot in der Dom. Rep hingewiesen habe, sei der Lärm „oft typisch und Ausdruck von Freude und Lebenslust“. Auch mit Insektenstichen müsse man in fremden Ländern rechnen. Darüber hinaus sehen Richter keinen Grund zur Klage bei verspäteten Transfers vom Hotel zum Flughafen. Zudem soll dem Wunsch nach finanzieller Kompensation bei unvorhergesehenen Zwischenlandungen nicht entsprochen werden, wenn der Veranstalter nicht ausdrücklich einen Non-Stop-Flug zugesichert hat.

Ruhestörung durch Lärm:

Wird im Reiseprospekt eine ruhige Lage zugesichert, kann der Urlauber den Reisepreis bei Lärmbelästigung am Tage laut Frankfurter Tabelle um 5 bis 25 Prozent und bei nächtlichem Lärm um 10 bis 40 Prozent kürzen. Das Landgericht Kleve hat einer Familie mit Kleinkind, deren Nachtruhe durch laute Musik aus einer Taverne gestört wurde, 20 Prozent Reisepreisminderung zugesprochen (Az. 6 S 23/96). Für nächtlichen Fluglärm hat es eine Kürzung des Reisepreises um 10 Prozent für zulässig gehalten (Az.: 6 S 23/96). Ein Urlauber, der in seinem Hotelzimmer von Baulärm geplagt wurde, bekam auf ein Urteil des Amtsgerichts Bad Homburg hin gleich ein Drittel des gezahlten Reisepreises zurück (Az.: 2 C 3263/96-19)

Falsche Ausstattung des Zimmers gilt als Reisemangel:

Ist die Unterkunft nicht so ausgestattet, wie im Prospekt beschrieben, gibt es Geld zurück. Wer zum Beispiel ein Zimmer mit Balkon bucht, der dann tatsächlich nicht vorhanden ist, erhält laut Frankfurter Tabelle zwischen 5 und 10 Prozent des Reisepreises zurück. Bekommt ein Urlauber einen Raum zugewiesen, der deutlich kleiner ist, als im Prospekt beschrieben, kann er ebenfalls mindern. Meist um 5 bis 10 Prozent, in krassen Fällen auch um mehr. (Quelle Anwalt-Suchservice)(7/02)

All inclusive: Zuviel Trinkgeld ist Reisemangel:

Muss ein Pauschaltourist im Rahmen einer All-Inclusive-Reise in seinem Hotel regelmäßig Trinkgeld bezahlen, um Getränke serviert zu bekommen, kann er den Reisepreis mindern, urteilte das Amtsgericht Köln (Az.: 122 C 171/00). Das Gericht gestattete somit zwei Pauschaltouristen aus Leipzig, den Preis eines Kölner Reiseveranstalters um fünf Prozent zu mindern. Die Touristen hatten ihren Urlaub auf Kuba verbracht und in ihrem Hotel meist nur dann Getränke bekommen, wenn sie das Personal "geschmiert" hatten. Ansonsten funktionierte der Getränkeservice äußerst schleppend. Es könne nicht angehen, so der Richter, dass Personal regelmäßig für bereits bezahlte Leistungen Trinkgeld begehre. (Quelle: Anwalt-Suchservice)(6/02)

Getrübte Urlaubsfreuden: Hotelessen im Schnelldurchgang:

Der Fall: Ein Mann hatte eine Pauschalreise nach Fuerteventura angetreten. Im Hotel erklärte man ihm, dass das Abendessen in zwei Schichten von je anderthalb Stunden eingenommen werden müsse. Auch durften die Pauschalurlauber nicht zwischen den beiden Schichten wählen, sondern wurden einer schicht fest zugeteilt. Zurück in Deutschland forderte der Urlauber vom Reiseveranstalter Minderung des Reisepreises, doch dieser argumentierte, der Mann müsse bei einer Pauschalreise mit einer solchen Regelung rechnen. Das Amtsgericht Düsseldorf entschied zugunsten des Urlaubers (Urteil v. 1.6. 2001; Az.: 52 C 2500/01). Der Mann habe auch bei einer Buchung einer Pauschalreise nicht mit einer derartigen Einschränkung rechnen müssen. Normalerweise könne ein Abendessen im Hotel in einem großzügigeren Zeitraum eingenommen werden. Der Reisende sei in seiner Dispositionsfreiheit eingeschränkt worden. Essensschichten wären nur hinzunehmen gewesen, so der Richter, wenn der Pauschaltourist zwischen ihnen hätte frei wählen können. Doch eine Wahlmöglichkeit hatte es im Hotel nicht gegeben. Das Gericht sprach dem Mann 10 Prozent des gezahlten Reisepreises als Minderungssatz zu. (7/02)

Schadensersatz für entgangene Urlaubsfreuden:

Neben der Minderung des Reisepreises kann der Urlauber auch auf eine angemessene Entschädigung  wegen entgangener Urlaubsfreuden klagen. Angemessen ist in der Regel ein Betrag von 25 € pro Tag. Dies  setzt allerdings eine Minderung des Reisepreises von 50 Prozent voraus.  Übrigens ist eine Reklamation nicht gegenstandslos, wenn die Reiseleitung am Ort Extras wie kostenlose Tagesausflüge oder Mietwagen als Entschädigung anbietet. Der Anspruch auf eine nachträgliche Reisepreisminderung bleibt erhalten. Die Kosten für die Extras werden allerdings nachträglich von der Reklamationssumme abgezogen.
 

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